Segelwissen / Navigation
Navigation
Navigation beantwortet drei Fragen: Wo bin ich, wo will ich hin und wie komme ich sicher dorthin? Plotter helfen, aber Seekarte und Kompass muss man trotzdem beherrschen.
Seekarte, Position und Einheiten
- Positionen werden in geografischer Breite (N/S) und Länge (E/W) angegeben, zum Beispiel 43°31′ N, 16°15′ E für Trogir.
- 1 Seemeile (sm) = 1852 m. Sie entspricht einer Bogenminute auf dem Breitengrad. Distanzen misst man deshalb am seitlichen Kartenrand.
- 1 Knoten (kn) = 1 Seemeile pro Stunde, also etwa 1,85 km/h.
- Tiefenangaben in der Karte beziehen sich auf ein Seekartennull, nicht auf den aktuellen Wasserstand.
Kurse und Kompass
Der Magnetkompass zeigt nicht genau nach geografisch Nord. Zwei Fehler werden berücksichtigt:
- Missweisung (Mw): Abweichung des magnetischen vom geografischen Nordpol. Sie steht in der Seekarte und ändert sich langsam mit Ort und Jahr.
- Ablenkung (Abl): Fehler durch Eisen und Elektronik an Bord. Sie steht in der Deviationstabelle des Bootes.
Kompasskurs (MgK) + Ablenkung = missweisender Kurs (mwK)
missweisender Kurs (mwK) + Missweisung = rechtweisender Kurs (rwK)
Östliche Werte zählen positiv, westliche negativ.
Koppeln: Weg, Zeit und Fahrt
Ohne GPS wird die Position „gekoppelt“: aus Kurs, Fahrt und Zeit. Die Grundformel lautet Distanz = Fahrt × Zeit.
Beispiel: 6 kn über 1,5 Stunden ergeben 9 sm. Strom und Abdrift verschieben die tatsächliche Position, deshalb wird regelmäßig mit Peilungen oder GPS abgeglichen.
Peilen
Eine Peilung ist die Richtung zu einer Landmarke. Zwei Peilungen zu verschiedenen Objekten, in die Karte eingetragen, schneiden sich am Standort (Kreuzpeilung). Ein dritter Wert zeigt, wie genau das Ergebnis ist.
Betonnung (IALA Region A)
Europa gehört zur IALA-Region A. Lateralzeichen markieren die Seiten eines Fahrwassers, gesehen von See kommend in Richtung Hafen:
- Backbordseite: rote Tonne, stumpf (Zylinder), Toppzeichen Zylinder.
- Steuerbordseite: grüne Tonne, spitz (Kegel), Toppzeichen Kegel mit Spitze nach oben.
Kardinalzeichen sind schwarz-gelb und zeigen an, auf welcher Seite einer Gefahr sicheres Wasser liegt. Die beiden Kegel im Toppzeichen zeigen: Nord beide nach oben, Süd beide nach unten, Ost auseinander, West zueinander. Man passiert auf der Seite, die das Zeichen benennt.
Ausweichregeln
Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) legen fest, wer ausweicht. Die wichtigsten für Segelboote:
- Zwei Segler mit Wind von verschiedenen Seiten: Backbordbug weicht Steuerbordbug.
- Zwei Segler mit Wind von derselben Seite: Luv weicht Lee.
- Wer überholt, weicht immer aus.
- Ein Maschinenfahrzeug weicht einem Segler aus. Ausnahmen gelten in engen Fahrwassern, gegenüber manövrierbehinderten Schiffen und Fischern.
- Wer unter Motor fährt, ist auch mit gesetzten Segeln ein Maschinenfahrzeug.
Vertiefung
Navigation
Kartenarbeit und Kurse
Auch mit Plotter und Handy gehört eine Papierkarte an Bord. Wer mit ihr umgehen kann, weiß immer, wo er ist, selbst wenn die Elektronik ausfällt.
02Lichterführung
Nachts erkennt man andere Schiffe nur an ihren Lichtern. Aus Farbe und Anordnung lässt sich ablesen, was für ein Fahrzeug es ist und in welche Richtung es fährt.
03Ausweichregeln
Auf dem Wasser gibt es keine Ampeln, aber klare Regeln. Die internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR) legen fest, wer ausweicht und wer Kurs und Geschwindigkeit hält.